Letzter Streich

Dienstag, 30. September 2008
Einer geht noch, einer geht noch rein.
Ein Jahr muss noch, eins musste noch sein.
Allerdings hätte ich gut und gerne auf ein Jahr voller unerträglicher Qualen verzichten können.

Die (für mich) schlimme Facharbeitszeit.

Beinhaltet die Zeit davor, mit dummen Fragen wie "Hast du schon angefangen?", die Zeit des tatsächlichen Schreibens "Ich komm nicht voran, alles scheiße, alle sind weiter als ich" und die Zeit, nachdem wir sie rausbekommen hatten "Scheiße verdammt, alle sind besser als ich". Natürlich weiß ich sehr wohl, dass es Menschen gibt, die viel später angefangen haben als ich, die nicht so weit waren, wie ich, und auch, dass 11 Punkte eigentlich alles andere als schlecht sind.
Aber das interessiert mich doch nicht. Mich egoistischen Kleingeist, der ich nicht über soetwas hinwegsehen kann.
Da könnte ich mich ja gleich mit dem Lebensstandard, den ich habe zufrieden geben, weil es anderen schlechter geht als mir, und ausblenden, dass wieder andere schöne große Häuser mit hübsch eingerichteten Zimmern haben. An dieser Stelle möchte ich auch nochmal auf Micha Ebeling verweisen. Ich kann mich doch nicht immer damit trösten, dass es anderen schlechter geht als mir (oder so ähnlich).

Die schlimme Abitur-Vorbereitungszeit.

Zu merken, dass man in der Kunstvorbereitung so weit hinten liegt, dass man nicht mehr rechtzeitig einholen kann. Auch wenn es interessant wäre, all das zu wissen, was in diesem schlauen Buch steht.
Jeden Tag damit zu verbringen, vergeblich zu versuchen schwierige Aufgaben zu lösen. Insbesondere an schönen, sonnig warmen Sonntagen, wenn es für uns hieß in SaraSumis dunklen Keller abzusteigen. Fern von natürlichen Lichtquellen und blauem Himmel. Fernab jeglicher Ablenkung durch schöne Dinge.
Und dann die quälendenTage zwischen der Abiturprüfung der Englisch-LKs (fast alle meine Freunde) und der des Französisch-LKs (ich). Wie ich sie alle verflucht habe während dieser drei Tage, die sie schon in Freiheit leben durften, während ich noch einen Riesen vor mit hatte. Wie sie sich getroffen haben um Gitarre zu spielen, während ich zuhause langsam zu Grunde ging, unwillig und allein.

Und die immernoch anhaltende Zeit nach dem Abitur.

In der alle wissen was sie tun werden. Jetzt allmählich auch der letzte anfängt genau das zu tun.

"Vielleicht war ich verrückt, dachte ich nicht selten, vielleicht war ich nicht wie andere Menschen? Aber ich konnte das, was andere leisteten, alles auch tun, mit ein wenig Fleiß und Bemühung konnte ich Plato lesen, konnte trigonometrische Aufgaben lösen oder einer chemischen Analyse folgen. Nur eines konnte ich nicht: das in mir dunkel verborgene Ziel herausreißen und irgendwo vor mich hinmalen, wie andere es taten, welche genau wussten, dass sie Professor oder Richter, Arzt oder Künstler werden wollten, wie lang das dauern und was für Vorteile es haben würde. Das konnte ich nicht. Vielleicht würde ich auch einmal so etwas, aber wie sollte ich das wissen. Vielleicht musste ich auch suchen und weitersuchen, jahrelang, und wurde nichts, und kam an kein Ziel. Vielleicht kam ich auch an ein Ziel, aber es war ein böses, gefährliches, furchtbares.
Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen, was von selber aus mir heraus wollte. Warum war das so sehr schwer?"
Bei mir das Präteritum gegen Präsens eintauschen und fertig. Emil Sinclair versteht mich.







Zwar ist heute nicht mein Tag (Tag), Monat (Monat), Jahr (mein Leben), aber dennoch erinnere ich mich natürlich auch noch an die Zeit zwischen Facharbeitsabge und dem Herausbekommen. Unbelastet.
Und an die Gummibärchen, die Salzstangen, den Saft, das Eis die hin und wieder vorkommenden Erfolgserlebnisse im dunklen Keller.
An den herrlichen Zeit nach der Prüfung, auf dem Berg, und doch über'n Berg.
Allerdings sehe ich zur Zeit nur, wie nach und nach alle Freunde verschwinden, nach Eichenau, nach San Francisco, nach Ampleforth, nach Hof, ins Studium, in Münchner WGs, in die Fremde.
Und ich? Bin noch hier.

8 Kommentare

  1. naDine Says:

    Wieder ein schoener Beitrag.

    Zur Facharbeit: 11 Punkte sind nun mal wirklich gut, also "Gratuliere!" statt "Das geht aber besser". Aber es ist in der Tat eine interessante Tatsache, dass wir uns so oft vergleichen, irgendwo einordnen. Darauf bezieht sich ja nicht nur der Teil ueber die Facharbeit, sondern auch der uebers Abi und der Nach-dem-Abi. Nur, weil andere ihr Studium beginnen, fuer einige Zeit ins Ausland gehen oder in eine andere Stadt ziehen, heisst das noch lange nicht, dass das besser ist, oder sein muss.

    Ausserdem kenn ich viele, die noch "hier" sind.

  2. Kadir Says:

    Das stimmt einen sehr sehr traurig.

  3. Astrid Says:

    Danke für die aufbauenden Worte, das hilft ein bisschen.

    Und ich wollte niemanden traurig stimmen, tut mir leid. Aber so sieht's in meinem Kopf nunmal oft aus.

  4. Ocin Says:

    Es weiß übrigens nicht jeder was er machen will... Beziehungsweise weiß ich was ich machen will, nur hat man so kein festes Einkommen.

    Und Kay, hör auf die Stimmung noch mehr zu trüben ^^

  5. Kaya Nova Says:

    Gerade lese ich Hermann Hesse ... Demian ... stolpere über diesen Absatz der ganz und gar von mir hätte sein können und finde dazu Gedanken eines Menschen, die ich nur all zu gut nachvollziehen kann.

    "Emil Sinclair versteht mich." ... Nicht nur Emil Sinclair... das kann ich dir versichern.

    Ich sehe das all diese Gedanken bereits vor 3 Jahren verfasst wurden und frage mich, was in der zwischen Zeit aus DIESEM Menschen geworden ist?

  6. Kadir Says:

    Das stimmt einen immernoch traurig. Auch drei Jahre danach.

  7. Astrid Says:

    @ Kaya Nova:

    Weiß nicht, ob du das hier jetzt noch liest, aber ich antworte trotzdem einfach mal.

    Erstmal freut es mich irgendwie, sowas zu hören. Auch wenn es drei Jahre zurück liegt. Und auch wenn es bedeutet, dass du gerade keine gute Zeit hast (oder hat sich inzwischen schon alles in Wohlgefallen aufgelöst?).

    Was aus mir geworden ist. Hm. Ich studiere, bin also voresrt aufgeräumt. Aber es hat sich eigentlich nichts geändert.
    Grade heute zB habe ich keinen guten Tag.
    So lange alles in geregelten Bahnen läuft ist alles ok. Aber es reicht kleines, mich aus dieser Bahn zu werfen. Ein verpflichtende Praxissemester beispielsweise, das ich nicht auf die Reihe zu kriegen scheine.

    Und die Angst vor der Zukunft ist geblieben. Nur vertagt, aber nicht weg.

    Keine Erfolgsgeschichte also. Leider.

  8. Kaya Nova Says:

    Es ist schön, dass das Internet nie zu vergessen scheint. Somit habe ich heute diese Seite und dein Kommentar wieder entdeckt. Auch ich dachte, ich würde auf mein Kommentar keine Antwort erhalten, hielt es aber dennoch für wichtig dir zu schreiben.

    Was du schreibst, ist mir nicht fremd und klingt so vertraut. "Aufgeräumt" bin auch ich momentan, doch die Zeit, in der eine Entscheidung gefällt werden muss, rückt unentwegt näher.

    Beruhigen kann mich nur so wenig. Ein Buch zu lesen wäre schön, würde mich auf andere Gedanken bringen, aber die Zeit ist einfach nicht aufzuhalten, geschweige denn überhaupt vorhanden um ein Buch in die Hand nehmen zu können.

    Je mehr ich lerne, desto mehr scheine ich mich von den wirklich wichtigen, schönen Dingen zu entfernen. Den Dingen, die mich interessieren, die mich glücklich machen. Warum ist das nur so ...

    Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass du beim nächsten Mal die Mauer, die so bedrohlich vor dir aufragt, endgültig oder zumindest teilweise einreißen konntest.

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